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Pwg pr 14 von Brawa und Fleischmann

Aus der Reihe "Modellkritik"

Von Erik Meltzer <ermel@modellbahnfrokler.de>

Vorwort

Zugegeben, so brachial aktuell ist diese Modellkritik nicht, aber mir sind neulich gleichzeitig die beiden beschriebenen Packwagen zugelaufen, und da es beides neuwertige Modelle in meiner Leib- und Magenepoche 3a sind, lautet der Beschluß, daß man die vergleichen muß.

Bekannt sind sie natürlich schon, die Pwg pr 14 aus dem Hause Fleischmann (GFN; schade drum, aber vielleicht kommt ja mal ne Wiederauflage von Roco?) und Brawa. Beide waren zu ihrer Präsentation eine Erlösung: das GFN-Modell war, 1987 für die Epochen 1 und 2 erstmals geliefert, die erste maßstäbliche und wohlproportionierte Nachbildung dieses wichtigsten deutschen Güterzugbegleitwagens, und das Brawa-Modell war 2018 das erste, das auch die typische "A-Verstrebung" der meisten von der DB verstärkten Pwg pr 14 aufwies.

Pwg pr 14 in Epoche 3a von Fleischmann (links) und Brawa
Bild 1: Pwg pr 14 in Epoche 3a von Fleischmann (links) und Brawa.
Zum Vergrößern draufklicken.
Wir haben auch Fotos jeweils der gleichen Seite da: mit dem Zugführerabteil nach links und nach rechts.
Und Einzelporträts: GFN links und rechts sowie Brawa links und rechts.
Alle Bilder sind buchstäblich am Küchentisch mit einer uralten Nikon Coolpix SQ entstanden; wir bitten darob um Vergebung für die manchmal etwas un- oder zumindest nicht tiefenscharfen Bilder leicht verstaubter Modelle :-/

Um die genannten Varianten soll es aber in dieser Besprechung nicht gehen, sondern quasi um die dazwischen. Brawa hat nämlich vom Pwg 14 höchst löblicherweise gleich vier Formvarianten gemacht: außer der verstärkten Version der DB aus den 50er Jahren auch die Ursprungsversion mit durchgehenden seitlichen Tritten und Griffen -- und eben die abgebildete, wie sie in den 40er und frühen 50er Jahren entstand: zwar schon ohne die durchgehenden Tritte und Griffe der Urversion, aber auch noch ohne Verstärkungsstreben, einmal mit Gasbeleuchtung, Werkzeugschranktüren und Preßkohlenheizung sowie einmal mit elektrischer Beleuchtung und ohne Einbauten in der unteren Seitenwänden des Zugführerabteils.

GFN hat etwas länger gebraucht für Formvarianten und als zweite nach der Urversion dann gleich einen verstärkten Wagen aufgelegt. Allerdings nicht wie Brawa den typischen für die DB, sondern den für die DR der DDR, mit einer umgekehrt verlaufenden schrägen Strebe am Zugführer-Ende und einer klassischen Endfeldverstärkung am Packraum-Ende. (Es gab aber auch eine Variante ohne letztere, also mit der Urversion dann doch drei Formen, was mir bis heute unverständlich ist -- da hätte man mit gleichem Aufwand auch je einen typischen DB- und DR-Wagen machen können stattdessen!) Entgegen der gängigen und auch von mir unter dem Link noch verbreiteten Ansicht sind aber West-Beschriftungen dieses typischen DR-Ost-Pwg 14 nicht falsch, wie das hier im Froklerblog gezeigte Foto beweist.

Inhalt

Bauartunterschiede

Auch wenn beide Modelle dem gleichen Vorbild nachgebildet sind, unterscheiden sie sich doch im Detail. Außer den genannten Verstrebungen am GFN-Modell habe ich folgende Unterschiede gefunden:

All das sind wohlgemerkt keine Fehler, sondern einfach verschieden (um-)gebaute Vorbilder. Das ist für Pwg 14 sehr typisch, es gab all diese und viel viel mehr Bauartunterschiede wirklich -- böse Zungen sagen, daß die DB vermutlich keine zwei komplett identischen Pwg 14 besessen haben dürfte.

So gesehen sind beide Wagen noch relativ "zahme" Umbauten. Das ist erfreulich, denn umso mehr kann man zwecks Schaffung weiterer Umbauzustände an ihnen verändern. Das saubere Entfernen von Verstrebungen ist nämlich eine nervige Arbeit, das Nachrüsten hingegen vergleichsweise einfach. Und was die übrigen Details betrifft, bedeutet Veränderung bei der DB ja meist Rückbau, und Sachen abmachen ist schließlich fast immer leichter als dran :-)

Modellqualitäten

Wie man es von dieser Seite kennen dürfte, kann ich mich auch hier wieder nicht beherrschen und beschreibe nicht nur die Modelle im Lieferzustand, sondern streue auch gleich ein paar Frokeltips zu ihrer Verbesserung locker mit ein. Ihr werdet es mir vergeben, denke ich. ;-)

Wagenkasten

Packraumansicht: links GFN, rechts Brawa Auf den ersten Blick unterscheiden sich beide Modelle kaum voneinander. Und das ist ein Riesenkompliment für GFN, wenn man ihren Altersunterschied bedenkt!

Natürlich sind die Gravuren, erstaunlicherweise auch der Bretterfugen, bei Brawa noch etwas feiner, natürlich gibt es dort schmalere Achshalter und filigranere Tritte, besser gravierte Dachlüfter und eine optisch dünnere Schiebetür mit dezenterer Laufschiene; dennoch, wären nicht die ausnahmslos angespritzten Griffstangen, Türverschlüsse, Signalhalter und Stirnwandtritte, das GFN-Modell könnte auch heute noch problemlos mithalten. Nebenstehendes Bild 2 zeigt exemplarisch die Packraumenden (links GFN, rechts Brawa) und dürfte diesbezüglich für sich sprechen. Wie bei allen Bildern dieses Artikels führt ein Klick darauf zu einer größeren Ansicht.

In einem Punkt aber ist das GFN-Modell sogar überlegen: bei der zu öffnenden Schiebetür. Normalerweise lege ich ja keinen Wert auf derlei Spielfunktionen, aber es gibt Ausnahmen: bei gedeckten Güterwagen ist eine offene Schiebetür zur Darstellung sommerlicher Großviehtransporte mit Einsatzgatter hilfreich, und bei Pwg eben für die gar nicht so selten auf Vorbildfotos zu sehende Belüftung des dann ja doch eher stickigen Wageninneren während der Fahrt.

In punkto Lackierung und Beschriftung nehmen sich die Wagenkästen nichts, beide sind wohl perfekt zu nennen: astreiner seidenmatter Lack (oder bei GFN vielleicht auch durchgefärbter Kunststoff) in identischem Farbton (die Fahrwerke sind unlackiert, zu den Dächern kommen wir unten noch), wunderbar konturenscharfe korrekt gelbe Beschriftung, keine Staubeinschlüsse, keine Verzerrungen -- beide Hersteller verstehen ihr Handwerk. Bei GFN sollte die ohnehin etwas klobige, da funktionale untere Laufschiene der Schiebetüren allerdings nicht schwarz, sondern wagenfarbig sein.

Beschriftungsdetail: links GFN, rechts Brawa Am GFN-Modell sind die Anschriften ein klein bißchen größer ausgefallen als bei Brawa, aber keineswegs so, daß es unangenehm auffiele. Das nebenstehende Bild 3 zeigt die Hauptanschriftenfelder (links GFN, rechts Brawa); ein Klick darauf führt zu einem großen Bild mit der linken Seite beider Modelle. (Der weiße Punkt oben an der Tür des Brawa-Modells ist der leider abgebrochene Türstopper.) Es gibt auch eine größere Version des Ausschnittbildes. Und wer dann noch das Kreideanschriftenfeld rechts am GFN-Modell durchlesen will: bitteschön! :-)

Der nur aufgedruckte Zettelhalter bei GFN wäre ggf. mit einem Ätzteil zu überkleben, wenn man denn einen anbauen mag -- für die gewählte Zeit ist er aber ohnehin nicht erforderlich, er wurde normalerweise erst bei freizügig verwendbaren Pwg angebaut, die üblicherweise dann aber auch keine Gasbeleuchtung mehr hatten. Bei Brawa fehlt der Zettelhalter korrekterweise ganz. Auch die glänzendschwarzen Griffstangen bei Brawa ermöglichen entspannte kleine Verbesserungen (auch wenn schwarze Griffstangen damals noch vorschriftstreu waren, wurden sie in der Praxis m.E. ziemlich bald grün gepönt). Die Griffstangen und Signalhalter auch bei GFN freistehend zu machen, ist natürlich ein beachtlicher Mehraufwand, der sich aber vom Ergebnis auch wirklich lohnt. Bei geschlossen nachgebildeter Schiebetür sollte man auch den offen angespritzten Türverschluß ersetzen, z.B. gegen das passende Ätzteil vom Aw Lingen.

Packraumansicht: links GFN, rechts Brawa Fragwürdig ist bei Brawa allerdings die Bremskennzeichnung (sog. "Bremsecken"): wenn ich das "Merkheft für den technischen Wagendienst der Zugbegleitpersonale" von 1953 richtig deute, gehört zu einer Westinghouse-Personenzugbremse, wie sie Brawa nachgebildet hat, auch die Kennzeichnung mit drei Bremsecken, während die Kunze-Knorr-Güterzugbremse des GFN-Modells korrekt mit derer zwei gekennzeichnet ist.

Vermutlich hat Brawa bei der vorliegenden Variante ein Vorbild mit Kunze-Knorr-Bremse nachgebaut, aber versehentlich die Wbr-Bremse montiert stattdessen; dafür spricht die in Bild 3 lesbare Anschrift "Kkgbr" bei beiden Modellen. Ob man jetzt am Brawa-Modell die Bremsecken und diese Anschrift ändert oder den Bremszylinder ersetzt (oder den Fehler ignoriert), muß jeder selber wissen. Auf jeden Fall sollte man aber beim diesbezüglich korrekten GFN-Modell die Bremsecken um die Ecksäulen herum ergänzen, so daß sie auch von der Stirnseite her sichtbar sind. Bild 4 veranschaulicht das Problem.

Hinweis: Es gab auch eine Zeit vor 1953, zu der zwei Bremsecken für Wbr korrekt waren, weil diese da noch international zulässig war; aber auch dafür ist dann zumindest die Anschrift "Kkgbr" am vorliegenden Brawa-Modell falsch.

Innenraum

Blick auf die Innenwand bei GFN Entscheidet man sich beim GFN-Modell hingegen für eine offene (oder wahlweise zu öffnende) Schiebetür, offenbart sich leider auch den Blick in den Packraum. Immerhin, die Wände zum Dienstraum und zum Abort sind vorhanden, und als einzige Gravuren finden sich Andeutungen der Türen zu Dienstraum und Spind sowie ziemlich brutale Bretterfugen an der Wand zum Abort. Bild 5 mag einen Eindruck vermitteln, wie das bei offener Tür aussieht.

Leider sind die Innenwände zudem wie die Wagenkasteninnenseite in der Wagenkasten-Außenfarbe gehalten, wodurch man immerhin das Fehlen jeglicher sonstigen Einrichtungsteile, Details oder Gravuren in der "dunklen Höhle" nicht sieht. Was man aber sehr deutlich sieht, sind ein paar "wüst hingeschmissene" Kisten zwecks Tarnung der Kurzkupplungsfeder in der Mitte des ohnehin zu hoch liegenden Packraumbodens sowie eine massive Stahlplatte an seinem stirnwandseitigen Ende. Eine weitere solche im Dienstraum bleibt bei montiertem Wagen unsichtbar; das ganze Elend offenbart die Draufsicht ohne Dach und Verglasung.

Inneneinrichtung Brawa Brawa hat sich hingegen die Mühe gemacht, die Innenausstattung zumindest als "Volumenmodell" anzudeuten: alles ist da, aber alles ist in einem Teil gespritzt und damit auch einfarbig hellbeige (die Innenseite des Wagenkastens ist aber auch hier grün). Bild 6 vermittelt einen Eindruck; wir haben aber auch Bilder von links wie rechts oben. Weitere Bilder der Brawa-Innenausstattung finden sich übrigens in diesem Beitrag von Timo im Froklerblog.

Die angedeutete Inneneinrichtung des Brawa-Modells ist indes wegen dessen permanent geschlossenen Schiebetüren auch schon viel mehr als genug: man sieht davon bei aufgesetztem Dach nur durch die Einstiegstüren am Dienstraumende etwas, nämlich je eine hellbeige Wand unmittelbar neben der Tür. Diese beim GFN-Modell auch einzubauen, scheint also sinnvoll, ebenso wie das Streichen der Innenwände beider Modelle -- den Dienstraum in einem Beigeton, Fußböden und bei Brawa die Polster ebenso wie, wenn man denn mag, den kompletten Packraum in Dunkelgrau; vom werkseitigen Dunkelgrün wird man das bei geschlossenen Schiebetüren aber eh nicht unterscheiden können. Die nach Vorbild-Innenaufnahmen ebenfalls mögliche helle Lackierung der Packraumwände ist zumindest beim GFN-Modell nur anzuraten, wenn man entweder die Schiebetüren zuklebt oder den Wagenboden nebst Zwischenwand überarbeitet.

Der Bau eines Wagens mit offenen Schiebetüren bedeutet hingegen in jedem Falle etwas mehr Frokelbedarf, aber bei GFN immerhin deutlich entspannteren solchen. Schiebetüren aussägen bei Brawa tu ich mir jedenfalls sicher nicht an, zumal Brawas Wagenboden wegen der insgesamt vier Schichten -- Chassis, Ballastgewicht, Verglasung (!) und Boden der Inneneinrichtung -- ohnehin viel zu dick für die Darstellung offener Türen ist. Schönere Innenwände mit nachgebildeten Fachungen an den Innentüren hat übrigens das Weinert-Modell; Kunststück, ist es doch ein (leider sündteurer) Messingätz-/Weißmetallguß-Bausatz. Hier würde sich der Bau einer detaillierten Inneneinrichtung (und Einbau einer Beleuchtung) aber wirklich lohnen, zumal die Schiebetüren bei Weinert ebenfalls Extrateile sind. Tolle Innenraumzeichnungen zum Abkucken gibt es übrigens in diesem EMB-Artikel, Farbbilder vom detaillierten Innenraum eines Hübner-Modells in Spur 1 in diesem Forumsbeitrag. Und wer glaubt, das sei an möglicher Detaillierung schon alles gewesen, der sehe sich mal dieses Bild an (von dieser Seite) ...

Dach

Dächer: hinten links GFN, vorn rechts Brawa Die komplexe Form besonders des höheren Dachs über dem Dienstraum haben beide Hersteller perfekt getroffen; auch die Rundungen beider Dächer über den Stirnwänden wirken stimmig und gleich. Lediglich bei der Zwischenwand zwischen den Dächern liegt Brawa formal vorn, da GFN beide Dächer in einem Teil gespritzt und deswegen an den Seiten Verstärkungen angebracht hat, die beide Dachhälften stabiler verbinden. Bei Brawa sind die Dächer getrennte Teile. Die Verstärkungen wegzuschnitzen ist aber auch kein großer Akt; sie sind in Bild 7 beim links hinten stehenden Modell im Vergleich zu erkennen.

Bei der Gelegenheit kann man dann auch gleich den vorbildwidrigen "Kragen" auf dem Packraumdach beseitigen, der beim GFN-Modell wohl das Einsteckloch fürs Packraumofenrohr verstärken soll. Auch hier zeigt Brawa, wie es aussehen sollte: das Rohr geht stumpf durchs Dach, fertig. Ein weiteres Ansteckteil auf dem Brawadach, im Bild rechts neben dem Abortlüfter und dünner als dieser, fehlt bei GFN, aber auch im Musterblatt zum Pwg 14 komplett. Auf älteren Musterblättern meine ich zu erkennen, daß es sich dabei um eine Kloschüsselentlüftung handelt; das wäre ein bemerkenswerter Luxus. Weiß jemand mehr?

Alle anderen Dachdetails -- die beiden Lüfter auf dem Dienstraumdach, die Lüfter der Gaslaternen und auch deren Verbindungsleitung -- sind angespritzt und bei beiden Herstellern vergleichbar gut ausgefallen, nur die leicht konische Form der Gaslaternenlüfter bei GFN stört ein bißchen. Das berühmte Jammern auf hohem Niveau!

Farblich gefällt mir das Brawa-Dach in seinem dunklen Grauton mit tatsächlich dunkler abgesetzten Lüftern (!) und einer zarten Rußspur in der Mitte besser als GFNs wie üblich vorbildwidriges, immerhin angenehm mattes Silber; mehr Dreck auf die Mütze können aber beide vertragen.

Es bleibt nachzutragen, daß es von Brawa auch Varianten ohne Gasbeleuchtung gibt. Die Dächer dieser Modelle sind dann vorbildgerecht bis auf das Ofenrohr im Packraumdach komplett frei von Aufbauten.

Fahrwerk

Es dürfte kaum überraschen, daß das Fahrwerk des GFN-Modells gegenüber dem Brawa-Modell deutlicher das Nachsehen hat. Aber auch für sein Erscheinungsjahr 1987 ist die Breite von Rahmen und Achshaltern kritisabel, konnte man es doch auch in den 1980ern schon besser im Hause GFN -- Modelle wie Om 12 oder Gmhs 53 beweisen es. Sei's drum -- bei Pwg 14 liegen die Achshalter, da hinter den Tritten, ja eh nicht so im Blick; ich finde das Modell diesbezüglich zwar nicht so atemberaubend schön wie das von Brawa, aber für einen Betriebswagen immer noch akzeptabel. Und es ist viel besser gelungen als manch viel jüngeres Konkurrenzprodukt, das sollte man schon dazusagen.

Bemerkenswerterweise setzt sich die zu große Fahrwerksbreite des GFN-Modells aber nicht bis in die Trittbretter fort, wie sie das z.B. bei den wenige Jahre älteren Roco-Abteilwagen preußischer Bauart noch tut. Im Gegenteil: über die Tritte gemessen ist der GFN-Pwg 14 sogar schmaler als das Brawa-Modell, zugegebenermaßen auch wegen der schmaleren Trittbretter selbst. Bei normaler Perspektive fällt das aber genausowenig auf wie ihre bei Brawa deutlich filigraneren Halter: beide Modelle sehen einfach korrekt aus. Allenfalls der einzelne Tritt am Packraumende ist bei Brawa sichtbar filigraner. Stabiler sind natürlich die GFN-Tritte, an ihnen kann man den Wagen (vorsichtig) anheben; Brawa seine biegen sich beim Anfassen sofort, aber dank des hochelastischen Materials auch von selbst wieder zurück.

Unteransicht: oben GFN, unten Brawa Nicht nur die Achshalter, sondern auch der Rest des Brawa-Fahrwerks sieht erheblich besser aus als bei GFN. Hier merkt man dann doch deutlich den Alters- und auch Preisunterschied der Modelle: Brawa liefert mit freistehenden Federn, angesetzter Bremsanlage, filigranen Rangierergriffen unter den Puffern mit korrektem Tellerdurchmesser, Bremsdreiecken und nicht zuletzt deutlich stärker gegenüber dem Wagenboden profilierten Innenträgern eine wahre Augenweide ab. Wer seine Wagen öfter von unten oder das nebenstehende Bild 8 betrachtet, der wird mit dem GFN-Modell nicht recht glücklich. Aber immerhin: was man von der Seite sieht, hat auch dieses zu bieten, nämlich den Bremszylinder, den dicken Gasbehälter und das Abortfallrohr.

Bei den Bremszylindern der Kunze-Knorr-Güterzugbremse (Kkgbr) haben allerdings beide Hersteller anscheinend denselben Fehler gemacht und den Bremszylinder an dieselbe Position gebaut, an der beim Brawa-Modell korrekterweise auch die Westinghouse-Personenzugbremse (Wbr) sitzt: neben dem Gasbehälter, also fast mittig unter der Schiebetür. Für Wbr völlig korrekt, aber Kkgbr sitzen auf allen konsultierten Vorbildfotos weiter zum Zugführerende hin und sind auch bei vorhandenem Gasbehälter von der Seite deutlich sichtbar. Bei den Brawa-Modellen mit Kkgbr ist das aber (vermutlich) leicht zu korrigieren, denn sie haben auch zwei ungenutzte Montagelöcher an der richtigen Stelle, im Bild direkt rechts neben dem Bremszylinder zu erkennen; bei den GFN-Modellen ist die Kkgbr angespritzt und muß entweder herausgesägt und an richtiger Stelle wieder eingebaut oder gleich durch was Besseres ersetzt werden.

Fazit

Auch wenn es nicht mehr ganz den heutigen Anforderungen entspricht: GFN hat da mehr als 30 Jahre (!) vor Brawa ein wirklich bemerkenswertes Modell abgeliefert. Einmal mehr zeigt sich, daß "alt" nicht mit "schlecht" gleichzusetzen ist, wenn der Konstrukteur seine Sache gut macht. Allenfalls im Fahrwerksbereich und bei den angesetzten Wagenkastendetails kann Brawa hier ernsthaft einen Vorsprung hereinfahren, aber der muß halt auch teuer bezahlt werden -- erst recht wenn man die GFN-Gebrauchtpreise bedenkt, die es für das Brawa-Modell mangels Masse an Gebrauchtwagen so natürlich nicht geben kann und wohl auch nie geben wird.

Einen Sieger zu küren, fällt mir ungewohnt schwer. Natürlich ist das Brawa-Modell wunderschön und auf der Höhe der Zeit, und die für DB untypischen Verstrebungen des GFN-Pwg sind ein weiterer Nachteil (der sich für DR-Ost-Modellbahner freilich in einen Vorteil verwandelt, denn diese Variante hat dafür Brawa noch nicht gemacht). Aber dafür kann das GFN-Modell mit dem Preis und den zu öffnenden Schiebetüren punkten. Mein Rat also: man gönne sich einfach beide (und ruhig noch den verstärkten Brawa-Wagen dazu)! Und wenn man dann immer noch nicht genug hat, gibt es im Froklerblog diverse Anregungen für weitere Umbauten vor allem der Verstrebungen, denn da gab es vor der Fertigstellung der Norm-Umbauzeichnungen 1951 buchstäblich Dutzende von individuellen Lösungen. Diese Umbauten gehe ich allerdings ausschließlich auf GFN-Basis an, denn zum hemmungslosen Frokeln sind diese Modelle genau richtig.

Und genau so will man das doch auch haben: beide Modelle haben ihre Daseinsberechtigung, man kann ganz nach Geschmack ein fertiges Supermodell kaufen oder mit dem Stechbeitel auf einen günstigen Gebrauchtwagen losgehen, und kein Hersteller muß sich auf den Schlips getreten fühlen. Weitere Varianten des Pwg pr 14 von Brawa (besonders mal ein Modell mit Flachdach und Erkern bitte!) wie Wiederauflagen des GFN-Modells aus dem Hause Roco (gern mit reduzierter Bedruckung im preiswerten Start-Programm) wären dem Unterzeichneten dementsprechend stets willkommen. Preußische Pwg kann man schließlich nicht genug haben -- solange es keine zwei gleichen sind!

Und sollte sich doch noch mal einer der Mitbewerber zu einem preußischen Güterzugbegleitwagen berufen fühlen: Es gäbe da ja auch noch den genauso variantenreichen und beim Vorbild auch nicht gerade seltenen, im Modell aber seltsamerweise noch völlig unbeackerten Pwg pr 12 ...

Pwg pr 14 in Epoche 3a von Fleischmann (links) und Brawa
Bild 9: Nur zur Auflockerung nochmal GFN- und Brawa-Modell von der Packmeisterseite.
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Anhang A: Tabelle der Brawa-Modellvarianten

Normalerweise schere ich mich ja weniger um Modellvarianten und Bestellnummern, aber hier habe ich dann doch mal die Versionen durchgehechelt und erst dabei gemerkt, daß Brawa nicht nur die bisher vermuteten drei, sondern sogar vier Formvarianten aufgelegt hat bis jetzt. Und damit auch in Zukunft ein Überblick über die zahlreichen Varianten des Brawa-Pwg pr 14 schnell möglich ist, dachte ich mir: jetzt haste es schon gegoogelt, jetzt kannste es auch hier reindengeln.

Ein Klick auf die Artikelnummer führt zur entsprechenden Seite bei Brawa. Die Tabelle läßt sich mit Klick auf die Spaltenüberschrift sortieren, wenn Javascript eingeschaltet ist; Erklärungen zu den verwendeten Kürzeln folgen unten.

Stand der Tabelle ist Januar 2021, vor der Ankündigung der '21er Neuheiten.

Art-Nr Epoche Wagenkasten Dach Bremse Wagennummer Farbe
49400 PrStEV 1c Urform Gaslüfter Wbr {2} Osten 4021 rotbraun
49401 (+) DRG 2a Urform Gaslüfter Wbr {2} 95 341 Mainz braungrün
49402 (+) DB 3a Komplett Gaslüfter Wbr {2} 120 001 Mz flaschengrün
49403 (+) DB 3b A-Streben Ofen Wbr 123 312 [1] flaschengrün
49404 (+) DB 3c A-Streben Ofen Kkgbr 123 114 flaschengrün
49405 DR 3b Blank Ofen Kkgbr 88-31-04 flaschengrün
49406 (+) CSD 3 Blank Ofen Kkgbr D 6-2475 grün
49408 BBÖ 3 Komplett Gaslüfter ? 75 117 tannengrün
49409 (+) SNCF 3 Komplett Gaslüfter ? M 935 038 dunkelbraun
49410 DRB 2c Komplett Gaslüfter Wbr {2} 123 318 Nürnberg flaschengrün
49411 DR 3a Komplett Gaslüfter Wbr {2} 88-74-47 flaschengrün
49412 KPEV 1b Urform Gaslüfter Wbr {0} Essen 5105 rotbraun
49414 DR 4 Blank Ofen Handbremse 30 50 940 2265-7 flaschengrün
49415 DB 3a Komplett Gaslüfter Wbr {*} 118 329 Hannover flaschengrün
49416 [*] DB 3b A-Streben Ofen Kkgbr 121 370 flaschengrün
49417 [*] DR 4 Blank [2] Ofen Kkgbr 30 50 940 2004-0 flaschengrün

Erläuterungen und Fußnoten

Anhang B: Modelle anderer Hersteller und Vorbilder

Natürlich gab und gibt es Pwg pr 14 auch von anderen Herstellern als GFN und Brawa; hier eine kurze Übersicht.

Pwgi pr 98c (links) und Pwg pr 99a von Brawa
Bild B1: Die Modelle der älteren Vorbilder von Brawa: links der Pwgi pr 98c, rechts der Pwg pr 99a

Ältere preußische Pwg gibt es in brauchbarer Qualität nur von Brawa: den Pwgi pr 98c mit offenem Einstieg und Übergangseinrichtung und den Pwg pr 99a mit geschlossener Einstiegsplattform, welchletzterer im Modell auch über die ähnlichen, in 1:87 leider noch komplett fehlenden Bauarten Pwg pr 00 und Pwg pr 12 hinwegtrösten mag. Im Froklerblog habe ich einen Beitrag mit einigen Modellfotos veröffentlicht.

Anhang C: Varianten der vorgestellten Modelle

Das Brawa-Modell mit "A-Streben"

Pwg pr 14 in Epoche 3a von Fleischmann (links) und Brawa
Bild C1: Der Brawa Pwg pr 14 mit Verstärkungsstreben in DB-Bauform ("A-Streben").
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War doch klar, daß es nicht lange dauern würde, bis ein begeisterter Ermel sich einen zweiten Brawa-Pwg pr 14 leistet. Und das Modell mit den typischen "A-Streben", wie sie von der DB ab Anfang der 1950er Jahre eingebaut wurden, kann man ja auch wirklich zahlreich gebrauchen. Brawa hat eine Version ohne Gasbeleuchtung und ohne Fenster in den Schiebetüren gewählt, was typisch, aber durchaus nicht zwingend war. Die weißen Anschriften werden bei mir noch "vergilben", auch das geschlossene Lastgrenzraster muß für 1955 weichen; die Zettelhalter werde ich aber dranlassen, obwohl sie für beheimatete Wagen untypisch waren. Stichwort Beheimatung: die muß der Wagen dann natürlich auch noch kriegen. Schade, daß Brawa bisher keinen A-verstrebten Pwg für die frühe Epoche 3 gemacht hat ...

Anschrift 'Lichtstecker ziehen' an den Stirnseiten Einen buchstäblich winzigen Kritikpunkt hab ich am Brawa-Pwg ohne Gasbeleuchtung noch auszusetzen. Brawa hat, wie im nebenstehenden Bild C2 gezeigt, völlig richtig die Anschrift "Achtung! Beim Entkuppeln Lichtstecker abziehen" auf beide Stirnwände gedruckt -- leider aber gibt es gar nichts, woraus man den Lichtstecker abziehen könnte, denn die Steckdosennachbildung haben sie weggelassen (ein Blick aufs Bild führt zu einer Gesamt-Stirnansicht des Wagens). Vielleicht wollte man sich die Möglichkeit offenlassen, den gleichen Wagenkasten mit Gas- oder Elektrobeleuchtung zu bauen? Das ist ja grundsätzlich eine gute Idee -- ich fände es toll, wenn sie das dann auch mal täten ;-)

Egal, ein großes Drama ist das jedenfalls nicht. Lichtsteckdosen gibt es von Weinert, aber angesichts derer Winzigkeit werde ich es wohl bei einem PS-Schnipselchen bewenden lassen. Ein Bild davon reiche ich gelegentlich nach.

Wer scharf hingesehen hat, hat es gemerkt: Bild C1 zeigt den Wagen bereits mit an die richtige Stelle versetzter Bremsanlage. Was dazu zu tun ist, folgt im Abschnitt Versetzen der Kkgbr. Bild C3 zeigt den Wagen noch mit der ursprünglichen Anordnung; davon haben wir auch noch ein Einzelporträt von der anderen Seite da.

Pwg pr 14 in Epoche 3a (links) und mit 'A-Streben' in Epoche 3b (rechts) von Brawa
Bild C3: Zum Vergleich: Brawa-Modelle mit Gasbeleuchtung und Preßkohlenheizung vs. mit Elektrobeleuchtung und "A-Streben".
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Anhang D: Versetzen der Kkgbr

Wie im Abschnitt Fahrwerk erwähnt, sitzt bei beiden Modellherstellern die Nachbildung der Kunze-Knorr-Güterzugbremse (Kkgbr) an der falschen Stelle, nämlich ungefähr mittig unter der Schiebetür. Bei Brawa läßt sich das, wie im Folgenden gezeigt, leicht beheben; bei GFN wird die Säge sprechen müssen, und auch davon werde ich hier Bilder nachtragen, wenn ich es denn mal gemacht habe. Doch fangen wir mit dem einfacheren Teil an.

Brawa-Modell

Anordnung der Kkgbr: unten richtig, oben falsch
Bild D1: Oben die werkseitige Position der Kkgbr, unten die korrekte.
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Kkgbr an falscher Position bei Brawa Bei Brawa ist die Bremsanlage einzeln angesetzt, was die Korrektur der Position erleichtert. Und nicht nur das: es befinden sich sogar Montagelöcher für die Bremse an der richtigen Stelle im Wagenboden! Das nebenstehende Bild D2 zeigt sie deutlich, rechts von der Wagenmitte und unterhalb des Abort-Fallrohrs.

Die Bremsanlage ist mit Sekundenkleber eingeklebt; um sie zu entfernen, ist es hilfreich, ggf. zunächst den Gasbehälter abzuziehen. Dann vorsichtig unter dem Bremszylinder hebeln, darauf achten daß man dabei kein Trittbrett beschädigt und inständig hoffen, daß die Haltezapfen an der Bremse bleiben und nicht im Loch, denn sonst wird das solide Befestigen der Bremsanlage etwas aufwendiger.

Ausgebaute Bremsanlagen: oben Kkgbr, unten Wbr
Bild D3: Oben die ausgebaute Kkgbr, unten zum Vergleich die Wbr.
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Brawa-Kkgbr: Haltezapfen Bild D4 zeigt, daß das bei mir nur halb geklappt hat, aber ein Zapfen ist immerhin erhalten geblieben. Grün markiert sind im Bild die Haltezapfen, die wir brauchen (der rechte ist abgebrochen). Die rot markierten Zapfen sind beim Pwg pr 14 überflüssig und hängen in der Luft.

Das zeigt, daß die Kkgbr nicht für den Pwg entwickelt wurde; vermutlich ist sie baugleich mit der des G 10 und anderer Güterwagemodelle im Brawa-Programm. Was ja ansich nicht schlimm ist! Es führt aber dazu, daß sich die Kkgbr am Pwg, trotz Vorhandensein der dafür nötigen Löcher, nicht ohne weiteres an der richtigen Stelle montieren läßt, denn der im Bild rechte zusätzliche Haltezapfen stößt dabei an einen Querträger, so daß die Bremse dann wie ein Schluck Wasser in der Kurve unter dem Wagenboden hängt. (Davon habe ich leider kein brauchbares Bild gemacht.)

Brawa-Kkgbr: Korrekte Einbaulage Der rechte Zapfen muß also ab. Kein Ding. *knips* Ich vermute übrigens fast, daß Brawa sich diesen Arbeitsschritt sparen wollte und deswegen die Bremse in die dafür falschen Montagelöcher für die Wbr gepfropft hat.

Denn also rein mit dem Ding! Das nebenstehende Bild D5 zeigt die richtige Einbaulage: das "lange Ende" der Bremsanlage zeigt natürlich Richtung Wagenmitte, und dank des gekürzten Zapfens liegen alle drei Umlenkhebel schön parallel zum Wagenboden, wie sich das gehört. Die im Gegensatz zur Wbr nicht bis hinter die Achshalter führenden Bremsgestänge sehen aus dieser Perspektive zugegebenermaßen etwas unfertig aus. Die Hundertprozentigen werden diese sicherlich verlängern bzw. durch längere Drähte ersetzen, ich hingegen hab es gut sein lassen, denn von der Seite sieht man das eh nicht. Wer mich kennt, wird nichts anderes erwartet haben.

Brawa-Pwg mit Wbr (links) und mit korrekt positionierter Kkgbr (rechts)
Bild D6: Und so stehen sie dann zusammen: der Epoche-3a-Wagen (noch) mit Wbr, von der man hier allerdings nichts sieht, und der Epoche-3b-Wagen mit nun korrekt positionierter Kkgbr, von der man wenigstens ein bißchen was sieht.
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Wer aufgepaßt hat, wird gemerkt haben, daß die Fotomuster für den Bremsumbau dem gasbeleuchteten Epoche-3a-Modell entsprachen, während die Bilder des fertig umgebauten Wagens das Epoche-3b-Modell zeigen. Das hat einen einfachen Grund: ich habe für das Vergleichsbild D3 beide Bremsen und den Gasbehälter ausgebaut und anschließend alles ans jeweils falsche Modell gefrokelt, was mir erst beim Bilder-Bearbeiten auffiel. Also nochmal! Solche Opfer bringe ich für Euch, daß Ihr's nur wißt! ;-)

Anhang E: Literaturverzeichnis

Wer sich zum Thema Pwg pr weiterbilden möchte, der sei auf folgende Literatur verwiesen, aus der auch die meisten hier kundgetanen Vorbildinformationen stammen. Sämtliche Fehler sind dabei im Zweifel dem Unterzeichneten anzulasten und nicht den hier referenzierten Autoren. An dieser Stelle ein Dankeschön an Timo, der zu diesem Artikel zahlreiche Ergänzungen und Korrekturen beigesteuert hat.

Weitere Hinweise, sei es auf Fehler, Verbesserungsvorschläge oder weiterführende Ideen, zusätzliche Links oder auch empfehlenswerte Literatur, sind wie immer auf Modellbahnfrokler stets willkommen!


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Zuletzt bearbeitet am 24. Januar 2021   Technische Probleme? Mail an Webmaster