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Von Klagenfurt nach Duisburg

Oder: Leichte Wagen für schwere Zeiten

Ideen: Verschiedene Autoren
Umsetzung: Erik Meltzer <ermel@modellbahnfrokler.de>

Vorwort

Es ist inzwischen, anders als zur Entstehung dieser Seite vor 16 Jahren, eine der größeren Marktlücken im Güterwagenmarkt nach DB-Vorbildern der Epoche 3: die Omm 34 (Klagenfurt) und Omm 37 (Duisburg). Die vorhandenen Modelle sind allesamt mehr oder weniger veraltet, aber bis jetzt hat noch niemand vielversprechende Ankündigungen neuer Modelle von sich gegeben. (Über die von "Exact"-Train schweigen wir mal lieber.)

Modelle davon braucht man aber nun mal trotzdem. Also kucken wir mal, was mit den vorhandenen Angeboten der Industrie so anzufangen ist. Aus dem Alter, wo man schulterzuckend ein paar Jahrzehnte auf Besseres warten kann, bin ich nämlich allmählich wirklich raus.

Die gezeigten Modelle sind nicht alle besonders fotogen und die Bilder auch nicht mehr die besten. Dafür bitte ich um Vergebung; ich habe schon seit Jahren vor, die Seite mal zu aktualisieren, "sobald die Modelle fertig sind", aber naja, vielleicht ist es doch besser, darauf nicht zu warten ... ;-)

Inhalt

Die Vorbilder

Zwischen der Bauzeit des Omm 33 (Villach), den späten 1930er Jahren, und der des Omm 52 aus den frühen 1950ern lagen, wie man weiß, nicht nur anderthalb der schwersten Jahrzehnte, die Europa in der jüngeren Zeit so zu ertragen hatte, sondern auch gigantische Herausforderungen an die Reichsbahn, die mit herkömmlich aufwendigem Wagenbau nicht zu bewältigen gewesen wären.

So wie Kriegsloks (Baureihen 42 und 52), also radikal vereinfachte Konstruktionen mit einem Augenmerk auf einfache Reparatur und Materialersparnis, gab's deswegen auch Kriegswagen. Der bekannteste dürfte die "Leipzig-Familie" sein, die von Gl-Wagen über Leig-Einheiten und Behelfspersonenwagen bis zu vierachsigen Reisezugwagen mit Holzwänden reichte. Der Klagenfurt war die Kriegsversion des Omm-Wagens.

Nach dem Krieg entstanden zunächst ähnliche, aber genietete Wagen als Omm Duisburg; im gleichen Gattungsbezirk wurde aber auch die anschließende Großserie geschweißter Wagen in verbesserter Kriegsbauart und eine kleine Serie von Wagen tschechischer Bauart eingereiht, die zur Linderung des Wagenmangels dort bestellt worden war. Bei der DB trugen diese Wagen nach Abschaffung der Gattungsbezirke die Bezeichnungen Omm 34, Omm 29, Omm 37 und Omm 39.

Der Omm 34 (Klagenfurt)

Omm 34 von Klein-Modellbahn
Bild 1: Der Omm 34 von Klein-Modellbahn
Trotz leichter Fahrwerksschwächen und der unnötigen, bei einem Kriegswagen aber noch verzeihlichen leichten Holzmaserung das beste Modell dieser Wagenfamilie

Der vorher gebaute Villach (Omm 33) war viel zu aufwendig konstruiert, um in den schweren Zeiten den stark gestiegenen Wagenbedarf decken zu können. Deswegen wurde mit dem Klagenfurt ein völlig anderer Wagen entwickelt. Besonderes Kennzeichen: der durchgehende Obergurt. Das ist eine Stahlstrebe quer über die Oberkante der Türöffnung, die das Durchbiegen des Wagenkastens vermeidet, ohne daß man dazu wie sonst üblich ein Sprengwerk bräuchte. Weniger Kastensäulen (nur eine je Seitenwandhälfte), geringere Materialstärken und Holztüren halfen, den Materialverbrauch der Konstruktion – und ihr Gewicht – geringzuhalten.

Nach dem Krieg wurden die vorhandenen Klagenfurt z.T. aufgearbeitet, erhielten dabei meist Blechtüren, oft verstärkte Kastensäulen und gelegentlich auch Blechwände.

Der Omm 29 (Duisburg)

Wie die Bauartnummer, die zu genieteten Wagen gehört, schon andeutet, war der Omm 29 ein konstruktiver Rückschritt: der erste und letzte genietete Omm der DB. Der Grund für diesen Schritt war, daß die DB nach dem Krieg wegen Wagenmangel so ziemlich alles beschafft hat, was die Industrie (auch im Ausland) liefern konnte.

Die relativ wenigen Omm 29 unterschieden sich von den späteren Omm 37 optisch durch etwas weiter heruntergezogene Seitenwanddiagonalen; Modellbilder finden sich weiter unten bei der Beschreibung des Umbaus eines Märklin-Omm 37.

Der Omm 37 (Duisburg)

Omm 37 von Roco
Bild 2: Der Omm 37 mit und ohne Handbremse als Roco-"Billigmodell".
Das Modell ist nicht so richtig das Gelbe vom Ei, besonders das Fahrwerk und die hier schon weggeschnitzten angespritzten Griffstangen stören. Aber es ist trotzdem das beste dieses Vorbilds am Markt

Im Gegensatz zum Omm 29 war der Omm 37 die logische Weiterentwicklung des Kriegswagens. Dessen genannte Nachteile (zu geringe Materialstärken, durchgehender Obergurt, Holztüren) wurden abgestellt. Optisch unterscheiden sich die Nachkriegswagen vor allem durch das Sprengwerk, aber auch durch die weiter als die Seitenwanddiagonalen vorstehenden senkrechten Kastensäulen von den Omm 34.

Omm 37 von Roco vs. Omm 34 von Klein Modellbahn
Bild 3: Rechts ein Roco-Omm 37, links ein Omm 34 von Klein Modellbahn
Man beachte die vorbildgerechten Unterschiede bei den Kastensäulen und -streben. Die bei den Bretterfugen und Fahrwerken sprechen eher gegen das Roco-Modell

Von einigen Versuchswagen abgesehen, endete mit diesem Wagentyp die Zeit der Bretterwand-O-Wagen bei der DB.

Der Omm 39 (Duisburg)

Omm 39 von Piko
Bild 4: Der Omm 39 von Piko
Das Fahrwerk bitte ignorieren, das ist von einem Piko-Uraltmodell. Aber das von Piko unter diesem Modell verbaute ist auch keine Meisterleistung

Wie auch der Omm 29 ist der Omm 39 als Notbehelf zu werten; er entspricht tschechoslowakischen Baugrundsätzen, was angesichts seiner Entladeklappen und aushebbaren Seitenwandteilen bei den Verladern nicht wirklich gut ankam. Die Wagen wurden deshalb nach nur zehn Jahren (1959) mit UIC-Wagenkästen versehen.

Die Modelle

Omm 34 von Roco (ex KMB) und Piko

Den Klagenfurt gibt's zur Zeit von Roco, vormals Klein-Modellbahn (Bild 1), und von Piko (Bild 5). Das Klein-Modell gefällt mir erheblich besser, aber das von Piko ist auch durchaus eine brauchbare Basis. Richtig schön war der Wagenkasten des alten Piko-Modells aus Vor-Wende-Zeiten (Bild 7), vor allem wegen seiner sehr schmalen Bretterfugen – leider hat man das bei der Überarbeitung "verschlimmbessert" und auch eine unschöne Maserung in die Bretter graviert. Außerdem liegt das Piko-Modell zu hoch (der Rahmen wirkt zu dick), kann aber tiefergelegt werden, und hat einen viel zu hoch liegenden Wagenboden, den man entweder mit Ladung wegtarnen oder rausschneiden und durch einen tieferliegenden ersetzen sollte. Das alte Piko-Modell gab's nur mit Holztüren (siehe Bild 8); das neue gibt's – ebenso wie das von Klein – sowohl mit Holz- als auch mit Blechtüren.

Omm Klagenfurt von Piko
Bild 5: Der Omm Klagenfurt (späterer Omm 34) von Piko.
Hier mit dem aktuellen Piko-Fahrwerk, wie es sich auch unter dem Omm 39 von Bild 4 heutzutage findet, und in Epoche-3a-Beschriftung

Omm 29 als Umbau aus Omm 37

Den Duisburg der genieteten Behelfsbauart gab's, soweit ich weiß, noch nie als H0-Modell. Aber man kann sie relativ einfach umbauen – siehe unten.

Omm 37 von Roco und Märklin (ex Primex)

Den häufigsten der hier gezeigten Wagen, den Duisburg der Nachbauart, gibt's von Märklin (ursprünglich bei der Kaufhausmarke Primex) und von Roco (Bild 2). Leider sind beide Modelle nicht auf dem aktuellen Stand. Neben den breiten Bretterfugen und angespritzten Griffen etc. sind vor allem die Fahrwerke unschön: bei Roco ziemlich vergurkte Achshalter, bei Märklin mindestens falsche, nämlich Doppelschaken und bei älteren Modellen auch zuwenig Achsstand durch die Weiterverwendung des Einfachserie-Fahrwerks vom Omm 55 etc.

Viel machen kann man da nicht. Der an sich naheliegende Gedanke, einen Roco-ex-Klein-Modellbahn-Klagenfurt als Basis zu nehmen, überzeugt mich nicht: die Kastensäulen und -streben sind schon deutlich massiver beim Duisburg, und Holzmaserung hatten diese Wagen auch garantiert keine mehr, schließlich war bei ihrem Bau schon wieder Frieden. Siehe auch Bild 3.

Ich betrachte beide Omm 37-Modelle eher als Platzhalter bis zum Erscheinen guter Modelle. Denn so toll sind ihre Wagenkästen nicht, daß sich da ein aufwendiger Umbau mit einem richtig guten Fahrwerk lohnen würde.

Omm 39 von Piko (und Vacek)

Die tschechische Bauart des Duisburg gibt's von Piko (Bild 3) und Vacek. Das Piko-Modell ist ganz okay, wenn auch wie schon der Omm 34 zu hoch; das Vacek-Modell mit seiner Innendetaillierung halte ich für sehr interessant, habe es aber noch nie gesehen und erwarte mir zumindest im Fahrwerksbereich davon auch nicht mehr als von Piko, also nichts. Das zum Piko-Klagenfurt Gesagte bezüglich zu hohem Fahrwerk und Wagenboden gilt, wie bei allen Piko-O-Wagen, auch hier.

Mögliche Umbauten

Omm 34/37 mit Bremserhaus

Omm 34 mit Bremserhaus als Roco-Omm 37-Umbau
Bild 6: Ein Omm 34 mit Bremserhaus auf Basis des Roco-Omm 37.
Das Bremserhaus des Roco-Modells wurde verlängert und sein Sprengwerk entfernt (um einen nachträglich verstärkten Omm 34 darzustellen). Letzteres würde ich heute nicht mehr machen, sondern ihn als Omm 37 belassen; vermutlich wird das Modell gelegentlich zu einem solchen "zurückgebaut"

Einen Wagen mit dem charakteristischen "Schwalbennest"-Bremserhaus der Klagenfurt und Duisburg hat bis jetzt nur Roco gemacht. Leider hat man sich beim Bremserhaus verhauen: es ist viel zu kurz, dadrin kann sich auch ein schlanker Preiser-Bremser nicht umdrehen. Da das Ding aber keine Türen hat, ist dem schnell abgeholfen: Stirnwand des Bremserhauses abschneiden, PS-Profilchen vor Dach und Boden kleben, Stirnwand wieder dran, Kanten passend schleifen, Dach ggf. verspachteln, fertig. Ein exaktes Vorbildmaß habe ich dafür nicht, aber laut Zeichnung ist das Bremserhaus ungefähr so lang wie der Puffer, also 650 mm: der Überstand des Puffers vor die Bremserhaus-Stirnwand entspricht ungefähr der Stärke seiner Unterlegplatte an der Pufferbohle.

Nun will man freilich nicht für jeden handgebremsten Omm 34 einen Roco-Omm 37 schlachten. In grauer Vorzeit, als es das Roco-Modell noch nicht gab, habe ich mal so ein Bremserhaus nebst -bühne selbst gebaut; das ist nicht besonders dramatisch, hat es doch weder Fenster noch Türen, und auch das Bremserbühnengeländer ist beim Vorbild nur Rohr, kann also aus Draht zusammengeschwartet werden. Die Bremskurbel freilich würde ich heute von Weinert zukaufen. Leider habe ich von dem damaligen Umbau keine Bilder, und auch das Modell (ein Primex mit Roco-Einfachserien-Fahrwerk) ist verschollen; aber eine Wiederauflage dieses Umbaus, dann natürlich auf Basis des Roco-ex-KMB-Klagenfurt, ist bereits geplant. "Beobachten Sie diesen Platz" ;-)

Omm 34 mit Blechwänden

Omm 34 mit Blechwänden
Bild 7: Ein Piko-Omm 34 mit Blechwänden.
Zum Wagenkasten siehe Haupttext; das Fahrwerk ist hier von Piko, aber tiefergelegt, und ist so einigermaßen erträglich. Besser gefällt mir freilich der Umbau mit dem Roco-Einfachserien-Fahrwerk, zu sehen am Omm 29 in Bild 10.

Als Basis eignen sich alle Omm 34- oder Omm 37-Modelle. Mein Modell entstand aus dem alten Piko-Wagen, das die Tür eines verkürzten Roco-Wagens (s.u.) erhalten hat. Warum so kompliziert? Als dieser Wagen verpfuscht in der Bastelkiste landete, gab's die neuen Roco-, Klein- und Märklin-Modelle noch nicht. Heute würde ich einen neuen Piko- oder Klein-Wagen mit Blechtüren als Basis nehmen; dieser war aber so verhunzt, daß die Blechverkleidung seine letzte Rettung war.

Bild 8 zeigt einen unverpfuschten alten Piko-Wagen, aus dem natürlich auch noch mal ein Holztürwagen entstehen soll.

Omm 34 mit Holztüren: das alte Piko-Modell
Bild 8: Ein alter Piko-Omm 34 mit Holztüren, hier als Modell der DDR-Reichsbahn.
Die schönen schmalen Bretterfugen gehören immer noch zum Besten, was die Modellbahnindustrie jemals zustandegebracht hat. Da kann man das mäßige Fahrwerk aus Uraltzeiten mit dem irrwitzig hohen Langträger verschmerzen, bzw. natürlich ersetzen -- es lohnt sich für diesen Wagenkasten fast jeder Aufwand

Der Umbau ist ziemlich simpel: es werden einfach passend zugeschnittene Cinefoil-Stücke zwischen die Kastenstreben auf die Seitenwände geklebt. Mein Wagen erhielt zusätzlich verstärkte senkrechte Kastensäulen aus PS-Streifen, die ich über die originalen geklebt habe, und eine Nachbildung des durchgehenden Obergurts. Den Rohbau zeigt Bild 9.

Omm 34 mit Blechwänden im Rohbau
Bild 9: Der Omm 34 mit Blechwänden von Bild 7 vor dem Lackieren.
Das Schwarze ist Cinefoil, das Weiße PS-Profil. Daß man das dazusagen muß, liegt an dem beschissenen (sorry) Bild; leider gibt es kein besseres vom Rohbau, denn der Wagen ist nun mal längst fertig

M.E. ist Cinefoil genau das Richtige für diesen Zweck: der fertige Wagen sieht ein wenig heruntergekommen aus, leicht beulig eben und nicht so steril wie ein Wagen mit PS-Seitenwänden. Was Cinefoil ist und wo man es herbekommt, steht übrigens hier auf der UFO-Seite.

Die übrigen Arbeiten entsprechen dem Üblichen: Griffstangen, Puffer, Tritte, Signalhalter, Beschriftung, Alterung.

Omm 29 aus Omm 34/37

Omm 29 auf Märklin-Basis
Bild 10: Ein Omm 29, Basis Märklin mit Roco-Fahrwerk.
Vielleicht sollte ich doch noch mal den Rahmen beschriften

Die Hauptarbeit beim Bau eines Omm 29 ist die Anfertigung der neuen Seitenwanddiagonalen. Es gibt grundsätzlich zwei Wege, diese Änderung zu erzielen: entweder schleift man die Seitenwanddiagonalen eines Omm 34/37 weg, ritzt die Bretterfugen nach und baut die neuen Diagonalen an, oder man baut gleich neue Seitenwände. Dazu mehr im nächsten Abschnitt; hier die erste Methode.

Um es gleich zu sagen: Nochmal mach ich das nicht. Das Wegschleifen der alten Diagonalen, vor allem aber das Bretterfugenritzen sind ziemlich nervtötend, und auch bei sorgfältigem Arbeiten ist das Ergebnis, nun ja, suboptimal.

Die neuen Diagonalen, beim Vorbild Z-Profile (bzw. genauer: man stelle sich ein H vor, bei dem zwei schräg gegenüberliegende Stege fehlen), habe ich aus versetzt übereinandergeklebten Rechteckprofilen angedeutet. Den Rohbau zeigt Bild 11.

Omm 29 vor dem Lackieren
Bild 11: Der Omm 29 von Bild 9 vor dem Lackieren.
Links daneben ein original Märklin-Wagenkasten auf einem Piko-Fahrwerk, der mal ein Omm 37-Modell werden soll, zum Vergleich. Zur Bildqualität gilt das bei Bild 9 Gesagte

Der gezeigte Wagen hat ein Fahrgestell aus Teilen des Roco-Einfachserien-Fahrwerks mit 94 mm LüP: X 05, O 10, K 25 und Ommp 50 sind die Spenderwagen (mehr über diese Modelle hier in einem Grundlagenartikel). Richtiger wäre ein Fahrwerk mit Federschaken statt Federlaschen, aber diesen Kompromiß gehe ich ein, weil dieser Umbau so schön einfach ist: Roco-Fahrwerk mittig trennen und mit PS-U-Profil auf Wagenkastenlänge verlängern, schon paßt der Achsstand (für alle Omm-Wagen mit 6 m Vorbildachsstand wie auch für den Gm 39).

Omm 34/29/37 durch Verlängerung des Roco-Einfachmodells

Oben unter "Die Modelle" wohlweislich nicht erwähnt habe ich die Nachbildung des Omm 37 aus der Roco-Einfachserie, da sie so brutal verkürzt ist, daß man sie eigentlich kaum als Omm 37 – oder überhaupt als Omm-Wagen – erkennen kann. Trotzdem kann man diesen Wagen durchaus verwerten, nämlich durch Verlängern und Neubau der Seitenwände.

Das klingt dramatischer, als es ist, wenn man denn kleine Kompromisse einzugehen bereit ist. Es gibt nämlich im Architekturbedarf (und in guten Modellbaugeschäften) PS-Platten mit Rillenstruktur. Wir bräuchten idealerweise 1,8 bis 1,9 mm Rillenweite; ich habe erstmal 2,0 mm verwendet und finde, das fällt nicht besonders auf. Weniger jedenfalls als die viel zu tiefen und zu breiten Fugen. Also doch selbst ritzen oder aus Einzelprofilen zusammenstoppeln? Ich bin noch etwas unschlüssig.

Ein verlängertes Roco-Einfachmodell als Omm 37-Variante
Bild 12: Aus dem Roco-Einfachmodell verlängert: ein Modell der im Text erwähnten Omm 37-Variante.
Das Piko-Fahrwerk dient hier nur als Platzhalter. Das auch sonst noch sehr unfertige Modell wird nur sehr sehr vielleicht in dieser Form fertiggebaut werden, denn leider ist der Wagenkasten ein bißchen krumm geworden ...

Vom Roco-Wagenkasten werden die Stirnwände abgetrennt und so beschliffen, daß die Bretternachbildung neben den Ecksäulen komplett verschwindet. Die Seitenwände werden dann neben den Türsäulen abgesägt. Es hat sich dabei als sinnvoll erwiesen, den Wagenboden stehenzulassen, das gibt Stabilität. Auch an den Stirnwänden werde ich das nächstemal ein bißchen Wagenboden hängenlassen, diesmal ist mir das zu spät eingefallen.

Mit den neuen Seitenwandteilen werden die Reste zu einem Wagenkasten verklebt, der in den Abmessungen den o.g. Modellen entspricht.

Die Kastensäulen und Seitenwanddiagonalen entstehen, wie schon beim Omm 29 beschrieben, aus versetzt übereinandergeklebten PS-Rechteckprofilen. Die Anordnung und die Abmessungen derselben entscheiden darüber, ob ein Omm 34, 29 oder 37 entsteht – oder wie mein Erstling einer jener Omm 37 mit zwei senkrechten Kastensäulen und nur einer Diagonale je Seitenwandhälfte, von dem sich im Carstens, Band 3, ein Vorbildfoto findet.

Omm 37-Variante vor dem Lackieren
Bild 13: Die aus dem Roco-Einfachmodell verlängerte Omm 37-Variante von Bild 12 vor dem Lackieren

Die Türen des Roco-Einfachmodells brauchen auch noch ein wenig Zuwendung: alle Nietköpfe müssen verschwinden, und die mittlere senkrechte Kante der Buckelung muß so abgeschliffen oder -geschabt werden, daß ein schmales, rechteckiges Feld entsteht.

Das Sprengwerk der Omm 37-Variante entsprach dem des Omm 39: eine mittlere senkrechte Strebe, davon ausgehend zwei schräge Streben nach oben außen. Am Modell fehlt es noch, aber da fehlt eh noch fast alles.

Mit einem Piko-Fahrwerk, wie es für die Fotos den Wagenkasten trägt, kommt man hier allerdings nicht weit -- den zu hohen Langträger kann man unter dem Roco-Wagenboden nicht verstecken. Hier ist also wieder das Roco-Einfachserie-Umbaufahrwerk angesagt.

Zugabe: Omm 35

Omm 35
Bild 14: Der Omm 35 als ziemlich aufweniger Umbau aus einem Omm 33 (Villach) von Liliput, einem Gms 54 von Roco (ex Röwa) und einem Omm 37 von Roco

Der erste Versuchsumbau, mit dem die DB ihre Klagenfurt zu modernisieren trachtete, fiel mit reduziertem Achsstand, neuen Doppelschaken-Laufwerken, neuen Kastensäulen und Türen recht aufwendig aus -- der Klagenfurt ist nur noch am Bremserhaus zu erkennen, und genau dieses ist auch das einzige Teil, das von so einem Wagen (nämlich dem Roco-Omm 37) stammt bei meinem Umbau. Mehr dazu findet sich auf einer eigenen Seite.

Zusammenfassung und Fazit

Eigentlich ist es ein Trauerspiel, was die Modellbahnindustrie uns da an Klagenfurt und Duisburg so anbietet. Das ist nicht weiter verwunderlich, bedenkt man das Alter der Modelle: die Piko-Wagen sind aus den 1960ern (und wurden in den 90ern überarbeitet und dabei nicht verbessert, eher im Gegenteil), die Roco- und Märklin-Wagen stammen aus den 1980ern und waren schon damals auch eher Kaufhausware als Supermodelle (was ihre Hersteller freilich nicht davon abhält, sie noch heute zu nicht gerade günstigen Kursen anzubieten), und selbst das beste Modell, der Klagenfurt von damals Klein Modellbahn, kam schon Anfang der 90er auf den Markt. Daß es da einiges zu verbessern gibt, kann nicht verwundern.

Und wir wären ja auch keine Modellbahnfrokler, wenn wir damit ein großes Problem hätten. Das Trauerspiel ist eher darin begründet, daß man so verflixt viele von diesen Wagen braucht. Wenn man mal die Vorbildstückzahlen ansieht: "zu meiner Zeit", 1955, gab es 24.000 Omm 37 und fast 10.000 Omm 34! Das geht schon fast in Richtung G 10, was man da an Stückzahlen bräuchte. Beim Omm 34 kein Problem, das ex-KMB-Modell ist ja tauglich und bei Roco auch wieder recht gut verfügbar (nur Handbremswagen fehlen dort schmerzlich), aber Omm 37? Wie schon oben geschrieben: da hilft es eigentlich nur, die Roco-Wagen (und, so vorhanden, auch die nicht besseren von Märklin) mit einigen minimalen Verbesserungen, Griffstangen und Bremserhäuser vor allem, als "Platzhalter" zu betreiben und zu hoffen, daß sich die Industrie mal erbarme.

Und damit meine ich nicht die bereits angekündigten Wagen von "Exact"-Train! Denn deren Gms Oppeln und Nordhausen waren ein dermaßener Schuß in den Ofen, daß ich von diesem Hersteller genau nichts mehr erwarte. Von der mehr als selbstbewußten Preisgestaltung und dem zutiefst unsympathischen Auftritt seiner Macher in den einschlägigen Foren mal ganz abgesehen. "Für das Geld müssen sie mindestens perfekt werden", schrieb ich damals -- und dann gab es statt der versprochenen Spur-0-Qualität eher echte Null-Qualität ...

Aber wer sonst soll es denn machen? Die üblichen Kandidaten -- Mätrix, ROFL, Piko -- haben alle schon Wagen auf dieser Seite, ROFL sogar mehrere. Liliput kann keine Bretterwandwagen mehr, das haben sie mit dem Om 21 und Verwandschaft deutlich bewiesen. Und Brawa? Es gibt nun mal keine Omm Duisburg mit Kaldewei- oder Löwensenf-Werbung. (Gut, letztere gibt's als Kesselwagen auch nicht, aber offene Senfwagen glaubt ihnen auch der blindestgläubige Sammler nicht mehr. ;-)

Na, schaun wir mal. Bis dahin heißt die Devise: entspannt weiterfrokeln!


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Zuletzt bearbeitet am 26. Dezember 2016   Technische Probleme? Mail an Webmaster